Känguruh

 

 

Das Kànguruh wurde im Jahre 1629 von holländischen Seefahrern entdeckt. Sie haben das südafrikanische Kap umfahren und kamen vom Kurs ab. Wegen starken Winden verschlug es sie an die Westküste Australiens. Als sie jedoch wieder zu Hause waren, da glaubte ihnen niemand die Geschichte des "hüpfenden Tiers". 1970 wurden schliesslich durch Captain Cook 3 Känguruhs nach England gebracht und den Wissenschaftlern übergeben. Diese konnten jedoch erst nach 20 Jahren das erste Mal auch Untersuchungen an einem lebenden Objekt vornehmen. 1791 wurde nämlich an König George III von Englang ein Känguruh als Geschenk geschickt. Damals taten die Leute alles dafür, damit sie dieses "Fabeltier" bewundern konnten.

Es gibt 56 Arten von Känguruhs. Die Familie der Känguruhs wird in zwei Unterfamilien aufgeteilt. Neun Arten gehören zu den "Rattenkänguruhs", das sind die Kleinsten. Die übrigen 47 Arten bezeichnet man als "echte Känguruhs".

Die Känguruhs leben in ganz Australien verteilt. Sie leben im Trockenbusch sowie auch in Grasland, jedoch auch in Sumpfgebieten, Wäldern und in Felsen. Es gibt sogar zwei Arten, die lebt in Baumkronen. Sie ist im Nordosten Australiens zuhause. Sie sind Baumkänguruhs und leben in den Baumkronen des Regenwaldes. Ihre Hinterbeine sind nicht so lang wie die der anderen Arten. Jedoch sind ihre Vorderbeine umso kräftiger. Alle vier Füsse haben lang, gebogene Krallen, welche sie zum Klettern brauchen. Verglichen mit anderen Tieren, welche auf Bäumen leben, sind sie jedoch schlechte Kletterer. Da es jedoch in diesen Gebieten wenig Raubtiere gibt, die auf Bäumen leben, müssen sie nicht um ihr Überleben bangen.

Känguruhs sind vorallem nachtaktive Tiere. Den Tag verschlafen sie meistens. Dies tun sie am liebsten in hohem Gras oder auch im Schatten von Büschen.

Die Känguruhs besitzen ein sehr spezielle Fortbewegungsart. Daher führt auch ihr Körperbau. Sie besitzen lange, starke Hinterbeine. Diese haben eine sehr gut ausgebildete Muskulatur. Die setzen sie vorallem bei ihren Sprüngen ein. Die Vorderfüsse sind eher klein, mit langen, gebogenen Krallen. Zu ihre Aufgaben gehört vorallem die Körperpflege wie z. B. das Säubern des Beutels. Sie hilfen jedoch auch mit beim Gehen. Bewegt sich das Känguruh nämlich langsam fort, so stützt es sich abwechseln auf die Vorder- und Hinterbeine. Der Schwanz des Känguruhs ist sehr lang und schwer, damit sich, bewegt es sich auf schnelle Weise fort, der Schwerpunkt des Körpers in der Mitte befindet. Steht das Känguruh still, so kann der Schwanz auch die Aufgabe eines Stuhls übernehmen. Er stützt in diesem Fall nämlich einen Teil von seinem Körpergewicht.

Je nach Art des Känguruhs dauert eine Tragzeit 4 - 5 Wochen. Das ist eine sehr kurze Zeit. Das Junge kommt deshalb auch noch embryoartig auf die Welt. Es ist ca. so gross wie ein Maikäfer. Die bereitet etwa eine Stunde vor der Geburt alles für den Kleinen vor. Sie leckt den ganzen Beutel sauber aus. Für die Geburt legt sich die Känguruhmutter auf den Rücken. Das Junge zerreisst dann, sobald es auf der Welt ist, die Eihülle alleine. Danach kriecht es in den Beutel der Mutter. Dies geschieht mit schlangenartigen Bewegungen. Dabei nimmt es seine Vorderfüsse zu Hilfe. Das ganze dauert dann etwa 3 - 5 Minuten. Im Beutel der Mutter saugt es sich bereits an einer Zitze fest, die es dann erst nach Monaten wieder freigibt. Diese Milch, die es aus der Zitze bekommt, ist sehr fettarm. Der Fettanteil wächst dann schliesslich mit der Grösse des Jungen. Die Mutter hält den Beutel während der ganzen Zeit, wo das Junge sich darin befindet, auf das kleinste Detail sauber. Das Junge bleibt ca. 6 Monate im Beutel bis es das erste Mal den Schritt raus wagt. Es ist jedoch dann trotzdem noch etwa 2 Moante auf den Beutel der Mutter angewiesen, dies im Falle von Gefahr oder einfach nur zum Ruhen. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Junges den Beutel der Mutter nicht finden kann und es zu lange suchend herumirrt. Da die Mutter ihm in diesem Fall nicht helfen kann, wird sie irgendwann aufstehen und das Junge fällt zu Boden. Dort hat es keinerlei Chance und es stirbt. Neben dieser traurigen Einrichtung der Känguruhgeburten gibt es aber auch noch eine sehr erstaunliche: Während der Zeit, in der sich das Junge im Beutel befindet, liegt in der Gebärmutter der Mutter noch ein zweiter Embryo. Dieser wächst jedoch nicht, denn er ist zur "Reserve" gedacht. Es ist aus Sicherheit, sollte dem Kleinen im Beutel etwas zustossen, wie z.B. Krankheit oder Unfall, den es nicht überlebt. In diesem Falle, würde der Embryo in der Gebärutter sofort beginnen sich zu entwickeln, und der gleiche Ablauf wie beim ersten Jungen beginnt. Sollte das erste Junge überleben, so stirbt der zweite Embryo meist nach Monaten ab und wird ausgestossen. Es kann jedoch auch sein, dass er zur Welt kommt, zu der Zeit, wenn die nächste Geburt fällig ist.

Die meisten Känguruhs werden nicht alter als sieben Jahre. In Gefangenschaft können einige jedoch bis 20 Jahre alt werden. Junge Känguruhs sind vorallem bedroht durch Pythonschlangen, grosse Greifvögel und Warane. Die häufigste Todesursache für das Känguruh ist allerdings die Trockenheit. Dies ist vorallem der Fall, wenn es in sehr grossen Gebieten eine längere Zeit nicht mehr regnet. Die ersten, welche bei einer solchen Trockenheit sterben, sind die Jungen, welche noch im Beutel leben, und auch diejenigen, die schon im Freien leben. Die Trockenheit führt auch dazu, dass die Weibchen keine Jungen mehr produzeiren und so die Population sehr zusammenschrumpft. Die grossen Känguruhs besitzen einen kleinen Schutz gegen "trockene Zeiten". Sie haben die Fähigkeit, kargstes, völlig ausgedörrtes Gras noch verdauen zu können.

Die ersten weissen Siedler haben riesige Waldbestände gerodet und somit den Lebensraum von vielen kleineren Känguruharten zerstört. Sie wurden kaum gejagt, und einige werden trotzdem kaum noch gesehen. Ebenfalls hatte man aus Europa Füchse und verwilderte Katzen eingeführt. Damit wuchs auch wiederum die Zahl der natürlichen Feinde. An der Grenze zu Victoria, in einem Gebiet Südaustraliens, lebte z.B. das Toolache-Wallaby. Dieses wurde nun seit über 50 Jahren schon nicht mehr gesehen. Oder auch das Braune Hasenwallaby, das im Südosten Australiens lebte, kann man nun nur noch im Museum bewundern. Es gibt einige Arten, die nun schon seit längerer Zeit nicht mehr gesehen wurden. Die einzigen, welches aus den neu konstruierten Wasserlöchern und den grösseren Weideländern provitierten, waren die grossen Känguruhs. Dadurch hatten sie günstigere Lebensbedingungen und neue Verbreitungsgebiete.

 

 

echte Känguruhs (Macropodinae)
   
Rattenkänguruhs (Potoroinae)
   
Die Arten der echten Känguruhs können von 1,3 kg bis ca. 100 kg schwer sein. Zu den echten Känguruhs gehören auch die Wallabys, Wallaroos und Euros.

 

Riesenkänguruh

Die Riesenkänguruhs sind von allen Arten am meisten verbreitet. Es existieren graue und rote Riesenkänguruhs. Ebenfalls sind sie für die Wirtschaft am nützlichsten. Sie können nämlich unter schwierigen Bedingungen überleben als z.B. Schafe oder Rinder. Es werden pro Jahr für mehrere Millionen Franken Känguruhfleisch und Felle exportiert. In jedem Staat in Australien wurden jedoch entsprechend hohe Abschussziffern für Känguruhs festgelegt.

Die Känguruhgemeinschaften, die zusammenleben, werden meist angeführt von einem starken Boomer. Ein Boomer ist ein grosses, männliches Riesenkänguruh. Trotzdem leben aber in der Gruppe noch weitere männliche Känguruhs. Sie dürfen jedoch kein Interesse an den Weibchen zeigen, sonst werden sie vom Führer angegriffen und in einen Zweikampf verwickelt. Trotz dieser Rangordnung wechseln die Känguruhs, welche tiefer gestellt sind, öfters die Gruppe. Es kann auch vorkommen, dass sich einige Gruppen zusammenschliessen. Dies hängt jedoch vorallem vom Nahrungsangebot ab. Sollten jedoch mehrere Gruppen zusammenleben, ist es immer noch ein einziger Boomer, der die ganze Gemeinschaft anführt.

Das Riesenkänguruh wird schon geschlechtsreif, wenn es nicht einmal ausgewachsen ist. Beim Weibchen geschieht das mit zwei, und beim Männchen mit zweieinhalb Jahren. Fortplfanzen können sich die Männchen jedoch erst mit etwa 5 jahren. Dann sind sie auch ausgewachsen. Die Weibchen werden normalerweise alle vom anführenden Boomer gedeckt.

Ein Riesenkänguruh kann bis zu 100 kg schwer werden.

Die Feinde des Riesenkänguruhs sind einzig der Mensch und der Dingo.

Werden Riesenkänguruhs gehetzt, so können sie ihre normale Laufgeschwindigkeit von ca. 25 km/h verdoppeln. Je nach Art fliehen sie in flachen Sprüngen oder in hohen Bogensprüngen. Ebenfalls je nach Art können sie zwischen 3 und 7 m hohe Sprünge machen.

Werden die Riesenkänguruhs mit Hunden gejagt, so hängt die Chance des Hundes vom Gelände ab. Ist es offen, haben die Hunde ein Vorteil. Ist das Gelände jedoch von Gebüsch und hohem Gras bedeckt, so schrumpft die Chance des Hundes rapide. Die Boomers machen den Hunden aber auch noch auf eine andere Art zu schaffen. Meistens stellt sich das Känguruh mit dem Rücken an einen Baum, sollte es von einem Hund in die Enge getrieben werden. Da es sich auf seinen kräftigen Schwanz abstützen kann, hat es die Möglichkeit, mit seinen Hinterbeinen gegen den Hund zuzuschlagen. Da sie scharfe Krallen besitzen, ist es gut möglich, dass es auf diese Weise einem Hund oder einem Dingo die Bauchdecke zerfetzen können. Ebenfalls überwältigen sie ihre Feinde öfters im Wasser. Dort können sie ihn dann meistens ertränken, indem sie den Kopf des Gegners ihren Vorderfüssen unter das Wasser drücken.

   
Die Rattenkänguruhs sind wesentlich kleiner als die echten Känguruhs und ihre Hinterbeine sind weniger stark entwickelt. Normalerweise laufen diese kleinen Exemplare auf vier Beinen. In den hüpfenden Känguruhgang fallen sie erst dann, wenn sie auf der Flucht sind.

 

Grabender Bettong (Bettongia lesueur)

Dieses Rattenkänguruh hat seinen Namen deshalb erhalten, weil es die einzige Art dieser Unterfamilie ist, das in selbstgegrabener Erdhöhlen lebt.

 

Moschusrattenkänguruh (Hypsiprymndon moschatus)

Dieses Rattenkänguruh wiegt nur ca. 500 gr. und ist somit das kleinste seiner Familie. Es unterscheidet sich dadurch von den anderen, dass es meistens Zwillinge auf die Welt bringt. Bei allen anderen Arten sind Zwillinge eine äusserste Seltenheit.